Starkregen-Risiko-Management - 13. Dezember 2016

Lokal begrenzte starke Regenereignisse stellen ein nur schwer zu kalkulierendes Überflutungsrisiko dar. Hiervon sind viele Kommunen, aber auch Industrie- und Gewerbeflächen betroffen. Allein die Überflutungsereignisse in diesem Jahr in Baden-Württemberg geben Anlass, über Möglichkeiten der Gefährdungs- und Risikoanalyse nachzudenken und eine effektive Schadensreduzierung anzustreben. Vor diesem Hintergrund führten wir in Kooperation mit unserem Mitglied, der Weber-Ingenieure GmbH, und der Emscher Wassertechnik GmbH unter Beteiligung des Regierungspräsidiums Stuttgart am 13. Dezember im KULTURa. im Kultur- und Tagungshaus, Öhringen, eine halbtägige Informationsveranstaltung durch.

Ziel der mit rund 80 Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung war es, das Thema "Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg" zu diskutieren und Anregungen, Vorgehensweisen und Erfahrungen auszutauschen. Es nahmen zahlreiche Vertreter von Gemeinden, Städten, Landratsämtern, des Regierungspräsidiums und aus der Industrie teil, die die Veranstaltung zur Wissenserweiterung sowie gleichzeitig zum regen Erfahrungsaustausch nutzten.

Für die Moderation standen Dipl.-Ing. Jan Weber (Weber-Ingenieure GmbH) und Prof. Dr. habil. Holger Scheer (Emscher Wassertechnik GmbH) zur Verfügung. In seiner thematischen Einführung verdeutlichte LVI-Geschäftsführer Wolfgang Wolf angesichts der hohen Personen- und Sachschäden die Ernsthaftigkeit des Themas. Gleichzeitig zeigte er auf, dass die Menschen gegenüber extremem Starkregenereignissen nicht völlig machtlos sind und es mittlerweile gute Instrumente/ Möglichkeiten zur Risikominderung und Schadensminimierung gibt. Zudem verdeutlichte er den Zusammenhang zwischen der Vorsorge durch die Kommunen und der Eigenverantwortung der Bürger und Unternehmen; dies auch als wesentlicher Unterschied zur herkömmlichen Planung der Entwässerung, in der es ein Schutzversprechen gab. Dabei appellierte er auch an alle Beteiligten, ihre eigenen Aktivitäten zum Überflutungsschutz zu verstärken. Schließlich verdeutlichte er, dass die Information der Betroffenen von besonderer Relevanz wäre. Dies sei auch Anlass für die Durchführung dieser Veranstaltung gewesen, die – angesichts des fortschreitenden Klimawandels – in regelmäßigen Abständen·in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs fortgeführt werden soll.

Im anschließenden Vortrag von Thomas Schneider (Weber-Ingenieure GmbH) wurde eine Einordnung des Starkregenrisikomanagements in die bisherige Praxis der Stadtentwässerungsmaßnahmen vorgenommen. Er erläuterte, dass neben dem bisherigen Schutzversprechen der öffentlichen Hand bezüglich einer geordneten Regenwasserableitung heute zusätzlich eine Risikovorsorge für außergewöhnliche und extreme Regenereignisse stattfinden muss. Weiterhin erläuterte er, dass heute die alleinige Fortschreibung des Generalentwässerungsplans nicht ausreicht, um den Anforderungen einer Risikovorsorge zu genügen, sondern hier ein Bündel von Maßnahmen zu definieren ist, welches je nach individueller Situation von Kommune oder Industriebetrieb unterschiedliche Schwerpunkte beinhalten sollte. Hierzu sei die Beteiligung verschiedener Fachämter oder -stellen unbedingt erforderlich.

Christopher Seydewitz von der Stadtentwässerung Wedel zeigte nachfolgend an einer Reihe von durchgeführten Beispielen auf, dass mit durchdachten, stadtplanerischen und entwässerungstechnischen Maßnahmen die Überflutungssicherheit für seltene Starkregen in der Kommune deutlich gesteigert werden kann.

Anschließend ging Detlef Rieger (Emscher Wassertechnik GmbH) auf die Modellierung von extremen Starkregenereignissen sowie auf die Erstellung von Gefährdungs-, Schadenspotenzial- und Risikoanalysen ein. Ebenfalls an konkreten Beispielen erläuterte er die Vorgehensweise einer Vorsorgekonzeption mit Handlungsempfehlungen.

Markus Moser von der Abteilung 5 (Umwelt) des Regierungspräsidiums Stuttgart stellte sodann den neuen Leitfaden "Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden Württemberg" vor und ging auf viele Fragen der Veranstaltungsteilnehmer ein. Hintergründe und Vorgehensweise des Leitfadens wurden detailliert dargestellt. In einer vorbereiteten FAQ Liste wurden oft gestellte Fragen vorab beantwortet. Er erläuterte zudem die Fördermöglichkeiten zur Starkregenrisikovorsorge in Baden Württemberg und die Voraussetzungen, die zur Förderung gegeben sein müssen.

Das abschließende Referat wurde von Rechtsanwalt Stefan Kopp-Assenmacher gehalten, der die rechtlichen Aspekte des Starkregenrisikomanagements beleuchtete. Aus seinen Ausführungen ging klar hervor, dass die Kommunen in Baden-Württemberg in der Pflicht zur Risikovorsorge stehen und sich erhöhten Haftungsrisiken aussetzen, wenn sie in Bezug auf Starkregenrisikovorsorge untätig bleiben. Die Stichworte Gefahrenabwehr, Planungs- und Ordnungsrecht sowie Haftungs- und Rechtsschutzfragen waren Gegenstand der anschließenden lebhaften Diskussion.

Die Veranstaltung wurde auch im Anschluss als wertvoller Beitrag zur sachlichen Diskussion des aktuellen Themas gewertet.

Weitere Informationen erhalten Sie hier im Einladungsflyer.