Historie - 60 Jahre LVI

Der Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie (LVI) feiert 2011 sein 60jähriges Bestehen. Für seine Gründung waren die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Ende der 40er Jahre maßgeblich. Damals war Südwestdeutschland in drei Länder eingeteilt, die zwei verschiedenen Besatzungszonen angehörten. Währungsreform und Staatsgründung schufen dann die wesentlichen Voraussetzungen für den raschen Wiederaufbau der südwestdeutschen Wirtschaft. Bei der Entstehung der Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und (Süd-)Baden (1945 bis 1952) regte sich bei den entstandenen Fachverbänden schon bald der Wunsch nach einem überfachlichen Zusammenschluss. So wurde im Jahr 1949 als Vorläufer des LVI die Arbeitsgemeinschaft Industrieller Verbände von Württemberg-Baden unter dem Vorsitz von Dr. Wilhelm Haspel, dem Generaldirektor der Daimler-Benz AG, und der Geschäftsführung von Dipl.-Kfm. Johann Caspar Liebe-Harkort gegründet. Als wenig später, am 13.10.1949, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) entstand, erhielt die Arbeitsgemeinschaft die Aufgabe, den BDI in Württemberg-Baden zu vertreten. 

Am 18. Mai 1951 gründeten Repräsentanten verschiedener Landesfachverbände und Unternehmen in Stuttgart den Landesverband der Württemberg-Badischen Industrie. Die Gründungsversammlung wählte Dipl.-Ing. Emil Möhrlin zum ersten Vorsitzenden. Seit 1999 ist Dr. Hans-Eberhard Koch (Vorsitzender der Geschäftsführung und Gesellschafter der Witzenmann GmbH, Pforzheim) Vorsitzender (seit 2007 Präsident) des LVI. Mit der Bildung des Landes Baden-Württemberg im Jahre 1952 erfolgte die Umbenennung zum Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie. Von Beginn an nehmen Vorstand und Geschäftsführung mit Unterstützung des Beirates die Aufgabe wahr, den Rahmen für die Verbandsarbeit abzustecken. Diese Arbeit wurde durch verschiedene Arbeitskreise unterstützt, die sich im Laufe der Zeit zu Arbeitsausschüssen wandelten und auf wirtschaftspolitische Schwerpunkte ausgerichtet sind. Besonderer Wert wird dabei auf die zunehmende Vernetzung der Arbeit zwischen den verschiedenen Gremien des LVI gelegt, um so die wichtigste Funktion des Verbandes – die überfachlichen Interessen seiner Mitglieder – zu bündeln und gegenüber Politik, Behörden und anderen gesellschaftlichen Gruppen zur Geltung zu bringen. Durch diese Vernetzung gelingt es, den ständig komplexer werdenden Aufgabenstellungen, denen sich der LVI im Zuge der wirtschaftlichen und politischen Weiterentwicklung des Landes Baden-Württemberg stellen muss, Rechnung zu tragen. 

Durch die ebenfalls zunehmende Mitwirkung in zahlreichen politischen Gremien, in Landesbehörden und in wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Einrichtungen gelingt es, nicht nur die spezifischen Interessen der baden-württembergischen Industrie zu vertreten, sondern auch maßgeblich an der Entwicklung des Landes Baden-Württemberg mitzuwirken, das sich sowohl im innerdeutschen als auch im weltweiten Vergleich bis heute als „Musterländle“ präsentieren kann.

Der LVI unterstützt den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in der länderübergreifenden Meinungs- und Konsensbildung. Gleichzeitig arbeitet er auch direkt in Berlin. Der LVI setzt sich bei den baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten und allen Fraktionen für grundlegende strukturelle Reformen ein. Nur ein wettbewerbsfähiger Standort Deutschland kann dem Land Baden-Württemberg und seiner Industrie die Rahmenbedingungen für wirtschaftlichen Erfolg bieten. Der LVI trägt durch seine Mitwirkung im BDI-Präsidium, in den Geschäftsführerkonferenzen und in zahlreichen Arbeitskreisen aktiv zur Meinungsbildung im BDI bei. Er ergänzt die Positionen des BDI um eigene Akzente und trägt sie gezielt in das Land. Eigene landesspezifische Interessen seiner Mitglieder vertritt der LVI zudem direkt auf Bundesebene. Ergänzend zur Kooperation mit dem ständigen Ansprechpartner BDI nutzt der LVI die Infrastruktur der Vertretung des Landes beim Bund und führt kontinuierlich Gespräche mit Bundespolitikern aus Baden-Württemberg sowie mit Experten aus anderen Bundesländern.

Gesetzgebung und Richtlinien der EU beeinflussen fast alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft unseres Landes. Besonders bei den Sachthemen Umweltschutz, Energie und Verkehr sowie der Forschung und Technologie, aber auch in der Kartell- und Geldpolitik der EZB sind diese Veränderungen deutlich spürbar. Der LVI verfügt auf EU-Ebene über ein effektives Netzwerk mit dem BDI, der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU sowie Mitgliedsverbänden und -unternehmen. Um die Interessen seiner Mitglieder in der EU zu vertreten, setzt der LVI über dieses Netzwerk und durch eigenständige Aktivitäten auf eine direkte, enge Zusammenarbeit mit den Institutionen der EU: Parlament, Kommission und Rat. Hier werden die Positionen aktiv an der richtigen Stelle eingebracht.

Um dem strukturellen Wandel der Wirtschaft weiterhin Rechnung zu tragen, hat sich der LVI bereits Anfang der 90er Jahre auch industrienahen Dienstleistungsunternehmen und  verbänden geöffnet. Ziel ist, die zunehmend gemeinsamen Interessen von Industrie und industrienahen Dienstleistungen zu vertreten. Formal hat dies dazu geführt, dass die satzungsgemäßen Aufgaben des LVI im Jahr 2000 ergänzt wurden um die Interessenvertretung der industrienahen Dienstleistungsunternehmen. Bereits 1994 wurde die LVI Beratungs- und Service-GmbH gegründet, deren Aufgabe es ist, neben verschiedenen Geschäftsbesorgungen für die Gießereiindustrie, die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie für Unternehmen aus dem Bereich der Metall- und Stahlverarbeitung den LVI-Mitgliedern verstärkt Informationsveranstaltungen und Seminare anzubieten.

1996 entschloss sich der LVI, gemeinsam mit einer Reihe von Mitgliedsverbänden und Partnerorganisationen die AKTION PRO MOBIL zu gründen. Aufgabe der AKTION PRO MOBIL ist es, durch gezielte Maßnahmen die Öffentlichkeit und die Politik auf die Situation der Infrastruktur in Baden-Württemberg aufmerksam zu machen und einen „Kurswechsel“ in der Verkehrspolitik zu erreichen. Seither ist es teilweise gelungen, Politik wie Gesellschaft für die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur zu sensibilisieren und Ansätze zu einer verlässlicheren Finanzierung zu platzieren. Dennoch erscheinen die Mittel für die Verkehrs- und insbesondere die Straßeninfrastruktur nach wie vor häufig als Verfügungsmasse, die nach Kassenlage gekürzt wird. 

1997 hat der LVI die „Projektstelle Umwelt“ aufgebaut. Diese entwickelte sich in den vergangen Jahren zur Plattform Umwelttechnik e.V. (PU) weiter und vertritt ihre Mitglieder und die baden-württembergische Umwelt- und Energietechnik auf nationalen sowie internationalen Märkten. Daneben fördert die PU die Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion sowie Dienstleistungen. Die PU-Mitglieder verfügen über Kompetenzen in den Bereichen Luft, Wasser/Abwasser, Altlasten/Abfall und Energie.

Das Denken in Netzwerken, d.h. die Interdependenzen innerhalb der Wertschöpfungskette, hat der LVI seit Anfang der 90er Jahre vorangetrieben. Die enge Verzahnung von Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Produzenten, Dienstleistern, Zulieferbetrieben und Anwendern etablierte sich als ein wichtigstes Instrument die Wettbewerbsfähigkeit einer Region zu stärken. In den vergangenen Jahren hat sich die Cluster- und Netzwerkpolitik zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Innovations- und Wirtschaftspolitik in Baden-Württemberg entwickelt. Der LVI engagiert sich in verschiedenen Netzwerken und Clustern. Als starker Partner unterstützt er industrierelevante und technologiegetriebene Netzwerke und Cluster im Land und vertritt dort die Interessen seiner Mitglieder.

Die Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg e.V. (AFBW) stellt die Faser – als Treiber für Innovation - ins Zentrum Ihrer Aktivitäten und will sowohl Anwendern als auch Produzenten die Potenziale von faserbasierten Werkstoffen aufzeigen. Der LVI stieß im Jahr 2009 gemeinsam mit den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung, den Hohenstein Instituten für Textilinnovation und Südwesttextil die Gründung der AFBW an. 

Die Luft- und Raumfahrt vereint zahlreiche Technologien und wird dadurch zum Technologieschrittmacher. Innovation durch Kooperation ist die Leitlinie für das Forum Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg (LRBW). Anfang des neuen Jahrtausends begann die Branche sich als Task Force gegenüber den Landesministerien zu positionieren. 2005 folgte die Gründung des Forum LR BW. Im Jahr 2009 beteiligte es sich gemeinsam mit einigen Partnern am regionalen Clusterwettbewerb des Landes und baut FAN Future Aerospace Network als Luft- und Raumfahrtcluster für die Europäische Metropolregion Stuttgart auf.
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