Pressemitteilung, 24. Oktober 2017

LVI: Kein Grund zum Übermut

Industriekonjunktur trotzt weiterhin allen Risiken


Stuttgart, 24. Oktober 2017 – "Auch 2017 wird nicht das Jahr sein, in dem wir das hohe Wachstumsniveau verlassen!" Dies betonte LVI-Vizepräsident Thorsten Klapproth am Dienstag auf einer Pressekonferenz des Industrieverbandes. Tatsächlich zeige sich die Konjunktur weiterhin überaus robust, alle Vorzeichen verhießen ein zufriedenstellendes Jahresende und damit ein gutes Gesamtjahr 2017: "Bestehende weltpolitische Risiken zeichnen sich weiterhin ebenso wenig in den Kennzahlen ab wie die konjunkturtheoretische Sorge, dass die anhaltend positive Entwicklung irgendwann an Grenzen stoßen muss", so Klapproth, der gleichzeitig warnte, nicht übermütig zu werden: "Die Sorgen und Bedrohungen sind sehr real, denn nach wie vor basiert der Erfolg nicht unwesentlich auf Faktoren, die wir nur bedingt beeinflussen können – man denke nur an den Eurokurs oder die Geldpolitik der EZB."

Über Branchengrenzen hinweg, berichtete der LVI-Vizepräsident, habe sich die baden-württembergische Industrie im ersten Halbjahr gut entwickelt, und so deute vieles auf ein erfolgreiches Gesamtjahr hin. Kritische weltpolitische Rahmenbedingungen wie der Brexit und anderweitige Abspaltungstendenzen in der EU, der Unsicherheitsfaktor USA, protektionistische Tendenzen oder geopolitische Krisenherde spiegelten sich nicht in den Kennzahlen wider: "Das Auslandsgeschäft entwickelt sich positiv, sowohl bei den Auftragseingängen als auch bei den Umsätzen", berichtete Thorsten Klapproth, wobei die Eurozone maßgeblich für die positive Entwicklung gewesen sei.

Auch auf Bundesebene gebe es bisher kaum konkrete Gründe zur Klage, betonte der LVI-Vizepräsident, und fuhr fort: "Der Branchenüberblick zeigt, dass die Schlüsselbranchen ihren Schwung beibehalten haben und sowohl gut ausgelastet sind als auch entsprechende Umsätze erzielen." Die Stimmung in den Unternehmen sei gut, ein solides Wachstumsjahr zeichne sich ab.

Gleichzeitig mahnte Thorsten Klapproth jedoch, nicht die Bodenhaftung zu verlieren: "Bei ehrlicher Betrachtung kommen viele meiner Kollegen in ihren Unternehmen zu dem Schluss, dass unsere hervorragenden Ergebnisse ganz wesentlich von Zinsniveau, Eurokurs und den noch immer günstigen Rohstoffpreisen profitieren." Hier könne sich der Wind auch schnell einmal drehen und den Druck auf die Industrie deutlich erhöhen.

Schließlich befinde sich Deutschland bereits überdurchschnittlich lange in einer wirtschaftlichen Wachstumsphase, der Abschwung sei über kurz oder lang unvermeidlich. Dann gelte es, so der LVI-Vizepräsident, "entsprechend vorbereitet zu sein, seine Hausaufgaben gemacht und die Kosten im Griff zu haben."

Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass man auf die weltpolitischen Gegebenheiten nur wenig Einfluss habe. Schon jetzt hätten geopolitische Spannungen tiefe Spuren in der Wirtschaft hinterlassen: Die Unternehmen träfen Vorsorge für den Fall eines harten Ausscheidens Großbritanniens aus der EU; der Brexit – wie auch immer geartet – werfe eine unüberschaubare Zahl rechtlicher, wirtschaftspolitischer und betriebswirtschaftlicher Fragestellungen auf. "Man möchte sich wahrlich nicht vorstellen, dass auch noch das hochindustrialisierte Katalonien mit Spanien bricht – und damit eben auch mit der EU!" Nur als Einheit könne die EU Staaten wie den USA, China oder Indien auf Augenhöhe begegnen und protektionistischen Tendenzen, wie sie in den USA und in China forciert werden, entgegenwirken.

Gleichzeitig habe die hiesige Industrie bekanntermaßen mit gravierenden strukturellen Veränderungen zu tun – sei es die Energiewende, sei es die Mobilitätswende mit der anhaltenden Diskussion um den Antriebsstrang und die Implikationen für zahlreiche mittelständische Zulieferunternehmen – und müsse sich mit Umbrüchen auseinandersetzen, die den häufig als selbstverständlich angenommenen Wohlstand an unserem Standort in Frage stellen können. "Umso wichtiger ist es", hob der LVI-Vizepräsident hervor, "dass die baden-württembergische Industrie Freiräume vorfindet, die Investitionen und Innovation ermöglichen. Ich denke an die steuerliche Forschungsförderung, aber ich denke auch an die Verfügbarkeit von Fachkräften, die für uns alle gemeinsam eine riesige Herausforderung darstellt!"

Ungeachtet all der genannten Herausforderungen geht der LVI angesichts der konjunkturellen Anzeichen für 2017 von einem zufriedenstellenden Wachstum aus. Bundesweit rechnen wir mit einem BIP-Wachstum von 1,9 Prozent, dasselbe Ergebnis erwarten wir in Baden-Württemberg.

Nähere Informationen enthalten die LVI-Standpunkte 3/2017.