Baden-Württemberg: Industrieland in der Transformation

So lautete das Motto der diesjährigen LVI-Mitgliederversammlung, die am 29. November auf Einladung der Siemens AG in Stuttgart Weilimdorf stattfand. Im internen Teil wählten die Mitglieder Dr. Hans-Eberhard Koch erneut einstimmig zu ihrem Präsidenten. Zuvor hatten Dr. Koch, das geschäftsführende Vorstandsmitglied Wolfgang Wolf sowie die Vorsitzenden der Arbeitsausschüsse die Geschehnisse des vergangenen Jahres dargestellt und aktuelle Entwicklungen in der Verbandsarbeit diskutiert.



Neben den Berichten des Präsidenten und des Geschäftsführers sowie der Ausschussvorsitzenden, die einmal mehr breiten Raum einnahmen, um die für den LVI so wichtige Ausschussarbeit darzustellen, war die Wahl des Präsidenten Dr. Hans-Eberhard Koch sowie seiner beiden Vizepräsidenten Heinrich Baumann und Thorsten Klapproth für die Arbeit des LVI ebenso von herausgehobener Bedeutung wie die Verabschiedung der Beitragsordnung 2017. Auch der Vorstand und der Beirat wurden komplett neu gewählt – erneut stellten sich zahlreiche wichtige Unternehmerpersönlichkeiten aus dem LVI-Mitgliederkreis entweder erstmals oder zum wiederholten Male zur Verfügung.

Im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung, zu der in den Räumen der Siemens AG einmal mehr deutlich über 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und weiteren gesellschaftlichen Gruppierungen begrüßt werden konnten, stellte LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch nach einer Begrüßung durch Gastgeber Jürgen W. Köhler in seinen Ausführungen die wirtschaftliche Lage auf Landes- und Bundesebene dar und verdeutlichte, dass sich die Industrie allen weltpolitischen Unwägbarkeiten zum Trotz weiterhin sehr stabil zeigt. Daneben ging er auf die Transformationsprozesse der Digitalisierung sowie der Energie- und der Mobilitätswende ein und verdeutlichte den Unterschied zwischen der erstgenannten, die unweigerlich über die Unternehmen kommt und von diesen bewältigt und genutzt werden muss, während die beiden zweitgenannten Prozesse, Energie- und Mobilitätswende, politisch gewollte Konzepte sind, die es zu gestalten gilt, ohne dabei die Nebenbedingungen einer funktionierenden Wirtschaft, eines prosperierenden Standortes und einer weiterhin möglichst hohen Beschäftigung zu vernachlässigen.



Er schloss seine Ausführungen mit einem Plädoyer an den Ministerpräsidenten, die Belange kleiner und mittelständischer Zulieferer im Umfeld des Verbrennungsmotors sehr ernst zu nehmen und auch, aber eben nicht nur, an die Automobilhersteller und die Zulieferer der ersten Reihe zu denken.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann begann seine Rede mit Glückwünschen an die neugewählten Vorstandsmitglieder und insbesondere den wiedergewählten Präsidenten, aber auch an die gastgebende Firma Siemens, die an diesem Tag den 200. Geburtstag ihres Gründers feierte. Er führte die Zuhörer dann durch die Geschichte der industriellen Revolutionen, die in Baden-Württemberg und Deutschland unterschiedlich gut bewältigt wurden, und nahm alle Beteiligten in die Pflicht, die aktuelle vierte industrielle Revolution nicht zu verschlafen, um auch weiterhin eine prosperierende Nation zu bleiben.



Der Ministerpräsident betonte, dass es wichtig sei, Geschäftsmodelle in Frage zu stellen, unterstrich aber auch, dass dies nicht grundsätzlich bedeute, sie "über den Haufen schmeißen" zu müssen. Er appellierte an die Anwesenden, Europa mit „Zähnen und Klauen“ gegen Nationalisten zu verteidigen, aber auch, die Klimaschutzziele von Paris ernst zu nehmen. Für den dafür notwendigen strukturellen Wandel im Automobilbereich gelte es Weichen zu stellen, bspw. bei der Bildung. Abschließend sagte er der Industrie Planbarkeit, Klarheit und Evolution seitens der Politik vor, um neben allen anderen Umwälzungen nicht auch noch Disruption in der Politik zu schaffen.

Jürgen W. Köhler, Leiter der Niederlassung Stuttgart der Siemens AG und Repräsentant für die Wirtschaftsregion Süd West, ging in seinen Ausführungen zunächst auf die Historie seines Unternehmens ein, auch und gerade vor dem Hintergrund des 200. Geburtstages ihres Gründers Werner von Siemens, und griff einige Punkte der Vorredner auf. So bestätigte er nicht zuletzt den Appell von LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch, den Belangen, Sorgen und Herausforderungen des Mittelstands besonderes Augenmerk zu widmen. Den einen oder anderen Hinweis des Ministerpräsidenten auf die USA und deren Vorreiterrolle bei der Digitalisierung griff er implizit auf, indem er dazu animierte, das Silicon Valley „nicht zu kopieren, sondern zu kapieren“.



Anschließend verdeutlichte er, inwieweit sein Unternehmen, die gastgebende Siemens AG, diesen und andere Leitsätze in ihren Aktivitäten und Geschäftsmodellen umgesetzt hat und zeichnete in eindrucksvoller Weise das Bild eines der führenden Software- und IT-Unternehmen weltweit.

Abschließend dankte der LVI-Präsident dem Ministerpräsidenten für seine klaren Worte und der Siemens AG für die neuerliche Gastfreundschaft, ehe die Mitgliederversammlung bei einem kommunikativen Get-together ausklang.