Pressemitteilung, 8.12.2015

Spitzenverband wünscht sich mehr Pragmatismus


LVI: Industrie braucht Handlungsspielräume


Stuttgart, 8.12.2015 Auf der Mitgliederversammlung des Landesverbands der Baden-Württembergischen Industrie e.V. (LVI) am 8. Dezember bei GE Germany in Mannheim hielt Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch in industriellem Ambiente ein Plädoyer für einen pragmatischen Politikansatz innerhalb klarer, verlässlicher Rahmenbedingungen. Dies gelte beispielsweise für die großen technologischen Veränderungen, die die nächsten Jahre bestimmen werden, aber auch für die Flüchtlingssituation an unserem Standort. Im internen Teil der Mitgliederversammlung war zuvor ein neuer LVI-Vizepräsident gewählt worden.

„Pragmatische Ansätze gehen von der Politik der kleinen Schritte aus, die aus den Erfahrungen von Handlungen lernt und Fehler korrigiert. Wir brauchen auf EU-, Bundes- und Landesebene mehr denn ja einen pragmatischen Politikansatz. Das bedeutet, die Realität anzuerkennen und Raum für private Initiative zu lassen.“ Dies sagte LVI-Präsident Dr. Hans- Eberhard Koch im Rahmen der diesjährigen LVI-Mitgliederversammlung bei GE Germany in Mannheim, die unter dem Motto „Industrie der Zukunft – global, digital und pragmatisch“ stand, und wandte sich mit seinem Appell an Ministerpräsident Winfried Kretschmann MdL wie auch an EU-Kommissar Günther H. Oettinger.

Politik, so der LVI-Präsident weiter, laufe mitunter Gefahr, allzu sehr an umfassende Planungsansätze zu glauben, „an den großen Wurf, den Masterplan, den groß angelegten Umbau nach bestimmten Bauprinzipien.“ Tatsächlich seien es indes die kleinen, pragmatischen Schritte, die ein Unternehmen voranbrächten, beispielsweise das vorsichtige Hineintasten in die sogenannte Industrie 4.0, und nicht so sehr das beeindruckende gesellschaftliche Konzept. Dies gelte analog für viele der großen technologischen Veränderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte.

„Dabei ist unstrittig“, so Dr. Koch weiter, „dass die politischen Entscheidungsträger eine Vision von der Entwicklung unserer Gesellschaft und für die wichtigen Weichenstellungen haben sollten. Allein: die Wirkung von zukünftigen Handlungen hat oft andere Wirkungen als vorausgesehen.“ Deshalb, dies unterstrich der LVI-Präsident einmal mehr, sei die Politik gefordert, den Rahmen zu setzen, nicht aber, die konkrete Umsetzung auszudeklinieren.

Diese politisch gesetzten Rahmenbedingungen seien von existenzieller Bedeutung für die Industrie, betonte Dr. Koch. Häufig würden sie global, europäisch oder auf Bundesebene gesetzt. „Umso wichtiger, dass unsere Landesregierung pragmatisch reagiert und Spielräume auslotet – genau wie wir Unternehmen es tun!“

Pragmatismus sei auch weiterhin das Gebot der Stunde, wenn man an die Flüchtlingssituation in Deutschland denke, führte der LVI-Präsident aus: „Die Menschen stehen vor unserer Tür, sind bereits hereingetreten. Natürlich müssen wir an den Perspektiven in ihrer Heimat arbeiten, und an gemeinsamen europäischen und internationalen Konzepten. Zweifellos aber steht es einer global tätigen Gesellschaft wie der unseren zunächst einmal gut an, gefährdeten und bedrohten Menschen Asyl zu gewähren.“ Besonders wichtig sei es aber, die Integration der Menschen mit Bleibeperspektive in den Arbeitsmarkt zügig und ohne überbordende Bürokratie voranzutreiben.

Dies gelte auch und gerade angesichts der in den nächsten Jahrzehnten notwendigen Zuwanderung, um die Herausforderungen unserer alternden und zurückgehenden Gesellschaften aufzufangen. Zudem, so Dr. Koch abschließend zu diesem Thema, wären abgeschottete Grenzen innerhalb Europas eine wirtschaftliche Katastrophe: „Die Freizügigkeit des Transportwesens im europäischen Binnenmarkt ist von existenzieller Bedeutung für die exportstarke baden-württembergische Industrie.“

In einem kurzen Rückblick auf den vorangegangenen internen Teil der LVI-Mitgliederversammlung, den Gastgeber Alf Henryk Wulf, CEO GE Power Germany und LVI-Vorstandsmitglied, eröffnet hatte, zeigte sich der LVI-Präsident schließlich erfreut, die Schlagkraft und Kompetenz des LVI-Präsidiums weiter gestärkt zu haben. Neben Heinrich Baumann, Geschäftsführender Gesellschafter der Eberspächer Gruppe GmbH & Co. KG wurde nun Thorsten Klapproth, Vorstandsvorsitzender der Hansgrohe SE ebenfalls zum Vizepräsidenten gewählt. „Wir freuen uns, dass Herr Klapproth sich erneut für dieses Amt zur Verfügung gestellt hat, das er bereits von 2004 bis 2013 innehatte, und setzen erneut auf seine Impulse für die Verbandsarbeit“, unterstrich Dr. Hans-Eberhard Koch zum Abschluss.