Politischer Gedankenaustausch mit der Wissenschaftsministerin

Am 9. November kamen unter Leitung von LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch Mitglieder von LVI-Vorstand und -Beirat sowie des Arbeitsausschusses Bildung, Forschung und Technologie zu einem intensiven Gedankenaustausch mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer MdL zusammen. Im Fokus der Diskussion standen Fragen der Hochschulpolitik, der Gründerkultur in Baden-Württemberg und der Forschungsförderung sowie der Fachkräftemangel.



In einer Tour d´Horizon umriss die Ministerin die verschiedenen Themengebiete. Im Bereich der Wissenschaft lobte Theresia Bauer MdL den guten Transfer zwischen Forschung und Wirtschaft, verdeutlichte aber auch, dass es keine Option sei sich auf dem Status quo auszuruhen. Vielmehr stelle ein stetiger Ausbau den richtigen Weg dar. Beim Thema Hochschulpolitik sah die Ministerin eine Stärkung der Handlungsfreiheit von Hochschulen sowie mehr Partizipation aller Mitglieder als erforderlich an. Dem entgegneten die LVI-Vertreter, dass Freiräume grundsätzlich positiv zu bewerten seien; allerdings dürften diese nicht zu einer Fragmentierung von Studiengängen beitragen. Bei einer Vielzahl an Studiengängen könnte dies schnell zu einem Mangel an Vergleichbarkeit führen. Ferner war es den LVI-Vertretern ein wichtiges Anliegen, Pluralismus im Hochschulsystem wieder zu stärken. Weder private noch staatliche Hochschulen dürften „auf der Strecke bleiben“, wenn Qualitätsstandards gleichermaßen erfüllt werden.

Die aktuelle Flüchtlingswelle sahen Ministerin und LVI-Vertreter als große Chance für Baden- Württemberg. Gerade mit Blick auf die Wissens- und Forschungslandschaft Baden-Württembergs sei es richtig und wichtig, qualifizierten Flüchtlingen schnellstmöglich den Zugang zu Ausbildung und Hochschulen zu ermöglichen. Gleichzeitig waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, dass die Ursachen der Flüchtlingskrise bekämpft werden müssen.

Breiten Raum nahm daraufhin das Thema der Gründerkultur in Baden-Württemberg ein. Die Industrievertreter stellten besorgt fest, dass diese zu gering ausgeprägt sei. Potenziellen Gründern fehlten häufig wichtige Anreize. Insbesondere seien die Rahmenbedingungen für Venture Capital am Standort Deutschland dringend Verbesserungswürdig. Gerade im internationalen Vergleich bestehe ein erheblicher Nachholbedarf. Diese Problematik zeige sich auch in der erkennbar nachlassenden Innovationsdynamik im Land.

Industrie 4.0 und die damit zusammenhängende Veränderung des Arbeitsumfeldes wurden ebenfalls thematisiert. Die Industrievertreter machten deutlich, dass im Zuge der Digitalisierung auf der Facharbeiterebene erhebliche Veränderungen auf die Aus- und Weiterbildungsinhalte zukommen werden. Darauf müsse man frühzeitig reagieren, da gerade „der Facharbeiter“ künftig eine noch wichtigere Bedeutung als bisher für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen haben wird.

Schließlich machten die LVI-Vertreter auch an dieser Stelle nochmals deutlich, wie wichtig es ist die hohe Innovationsfähigkeit der Unternehmen, vor allem der mittelständischen, zu stärken. Ein Mittel dazu sei die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung, zusätzlich zur institutionellen und Projektförderungen.