Pressemitteilung, 20.10.2015

Neue Herausforderungen im zweiten Halbjahr - alte Risiken bleiben bestehen


LVI: Konjunktur ohne Dynamik

Stuttgart 20. Oktober 2015 – „Die Industrie im Südwesten zeigt sich weiterhin stabil. Wirkliche Dynamik kommt aber konjunkturell nicht auf.“, stellte LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch anlässlich der LVI-Pressekonferenz zum dritten Quartal fest und fügte hinzu: „Die Wirtschaft wird nach wie vor getrieben von der Auslandsnachfrage. Die USA spielen eine gewichtige Rolle und auch der europäische Binnenmarkt zeigt sich stärker. Dahingegen entwickeln sich die Schwellenländer unverkennbar schwächer. Trotz einer momentan relativ stabilen Weltwirtschaft gibt es eine Reihe von großen Risiken: Geopolitisch ist der Ukraine-Konflikt nicht ausgestanden und die Brandherde im Nahen Osten stellen Europa, insbesondere Deutschland, mit der Flüchtlingsthematik vor neue Herausforderungen.“ Ebenfalls sei die Griechenlandproblematik zwar in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung getreten aber keinesfalls gelöst. Zusätzlichen Zündstoff liefere die Abgas-Manipulation von VW in den USA, deren Folgen für die deutsche Industrie noch nicht absehbar seien. „Außerdem „dopen“ niedrige Öl- und Materialpreise, Zinsen und Inflation weiterhin die Konjunktur“, so der LVI-Präsident ergänzend.

„Baden-Württemberg liegt weiter gut im konjunkturellen Rennen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs und wächst, ähnlich wie erwartet, im unteren einstelligen Bereich“, so der LVI-Präsident. „Nach wie vor beruht diese positive Entwicklung Baden-Württembergs auf der guten Industriekonjunktur.“ In den ersten acht Monaten des Jahres sei die Gesamtnachfrage nach baden-württembergischen Industrieprodukten um 7,5 Prozent gestiegen, wofür die Auslandsnachfrage mit 10,5 Prozent ausschlaggebend war. „Erfreulich ist, dass die Zuwachsraten an Aufträgen aus der Eurozone wieder deutlich zugelegt haben und nun vor der Steigerungsrate des übrigen Auslands liegen“, erörtert Dr. Koch, „Befeuert wird dies durch günstige Wechselkurse und den niedrigen Ölpreis.“ Baden-Württemberg weise eine bessere Entwicklung als der Bundesdurchschnitt auf, weil die Umsätze der Kernbranchen (Automobil-, Maschinenbau- und Chemieindustrie) mit teils zweistelligen Wachstumsraten von Januar bis August deutlich besser ausfielen.

Die Weltwirtschaft sei in Gänze aber immer noch träge. Wie gehabt stimulieren niedrige Materialpreise, Inflation und Zinsen die Konjunktur. Die Griechenlandproblematik rücke, ebenso wie der Ukraine-Konflikt, in den Hintergrund. Die Thematik rund um Volkswagen stelle zwar ein Risiko für die Konjunktur im Land dar. Die konkreten Folgen sind aber bisher nur schwer abzuschätzen. Der LVI-Präsident warnt vor überstürzten Regulierungskonsequenzen und schnellen politischen Eingriffen. Die Industrie brauche Zeit und Raum für die herausfordernden technologischen Entwicklungen.

„Aktuell hat sich Europa, allen voran Deutschland, der Herausforderung der Flüchtlingswelle zu stellen“, unterstrich Dr. Koch. Wenn die Flüchtlinge schnell ausgebildet, beschäftigt und integriert werden, sind sie langfristig ein Gewinn für die deutsche Wirtschaft. „Hier gilt es für die Politik schnell die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen“, so der LVI-Präsident. „ Deutschland ist ohne Wenn und Aber ein Zuwanderungsland, das zur Aufrechterhaltung seiner starken Wirtschaft hohe Zuwanderungsquoten braucht“, schloss der Industriepräsident.

Für 2015 gehe der LVI von einem weiterhin moderaten, wenn auch im Vorjahresvergleich höheren Wachstum aus. Demensprechend werde nach wie vor mit einem BIP-Wachstum für den Bund von rund 1,8 Prozent gerechnet. Baden-Württemberg dürfte mit über 2 Prozent einlaufen. Für 2016 rechnet der LVI mit einer ähnlichen Entwicklung.