Pressemitteilung, 09.04.2015 zur Wirtschaftslage

Wirtschaftliche Rahmendaten verführen zu verteilungspolitischen Wohltaten

LVI: Nicht blenden lassen von günstiger Konjunktur

Stuttgart, 9. April 2015 „Die heimische Industrie ist akzeptabel in das neue Jahr gestartet.“ Dies stellte LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch anlässlich der Vorlage der jüngsten Ausgabe der LVI-Standpunkte fest, um dann hinzuzufügen: „Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Konjunktur im Augenblick von den positiven Auswirkungen des niedrigen Ölpreises, der niedrigen Zinsen, der geringen Inflation und des schwachen Eurokurses profitiert. Mittel- bis langfristig könnten sich die Effekte aber als fatal erweisen.“ Das erste Quartal habe sich verhalten positiv, mit Luft nach oben, gezeigt, so der LVI-Präsident, was sich auch in den Stimmungsindikatoren widerspiegle; die Risiken und zunehmenden Belastungen seien indes weiterhin vielfältig.

„Auch wenn die Dynamik langsam wieder in die europäische Wirtschaft zurück kehrt“, so der LVI-Präsident, „steht Deutschland gegenüber seinen europäischen Partnern weiterhin gut da. Gerade in Baden-Württemberg ist die wirtschaftliche Lage, dank einer guten Auslandsnachfrage, solide.“ Dennoch dürften verdeckte Risiken und zunehmende Belastungen nicht außer Acht gelassen werden. Die Weltwirtschaft dümple ohne nennenswerte Dynamik vor sich hin und die Schwellenländer blieben volatil oder gar fragil. Treiber der Weltwirtschaft blieben weiterhin die USA und eingeschränkt auch China. Abzuwarten bleibe zudem, wie sich der niedrige Ölpreis, die niedrigen Zinsen, die geringe Inflation und der schwache Eurokurs mittel- bis langfristig auf die Konjunktur auswirken. Hier sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Zu diesem Strauß an verdeckten Risiken ergänzte Dr. Koch, dass die Geldschwemme der EZB Sparvermögen vernichte und Blasen an den Kapitalmärkten erzeuge. Das steigende Rohstoffangebot setzte zudem falsche Investitionsanreize, mit vielfältigen Folgen für die Industriekonjunktur. „Außerdem nimmt die Belastungsorgie kein Ende – immer neue politisch motivierte Regulierungen und Verteilungseingriffe kommen, meist von Berlin ausgehend, auf die Wirtschaft zu“, erklärte der LVI-Präsident.

Trotz der dunklen Wolken am Horizont bleibt der LVI mit seiner Prognose optimistisch. „Für 2015 gehen wir von einer Fortsetzung des moderaten Wachstumskurses aus“, so der LVI-Präsident, „dementsprechend erwarten wir, dass sich das BIP-Wachstum im Bund im laufenden Jahr bei 1,8 Prozent bewegen wird, während Baden-Württemberg mit glatten 2,0 Prozent wieder etwas drüber liegen dürfte.“

Um die Rahmenbedingungen für die baden-württembergische Industrie zu verbessern, arbeitet der LVI im Moment an verschiedenen Fokusthemen, darunter auch das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP. „Gerade Baden-Württemberg mit seiner exportorientierten Industrie würde von TTIP profitieren“, so Dr. Koch, „der Abbau von Handelshemmnissen kann kleinen und mittelständischen Unternehmen den Zugang zum amerikanischen Markt ermöglichen.“

Nähere Informationen enthalten die LVI-Standpunkte 1/2015.