Pressemeldung, 18.12.2014

Schreckensszenarien aus dem Spätsommer sind nicht eingetreten

LVI: Die Dynamik bleibt gering, die Stimmung solide


Stuttgart, 18. Dezember 2014 „Wir sind froh, dass die Schreckensszenarien, die aufgrund schwächerer Entwicklungen im Spätsommer verbreitet wurden, nicht eingetreten sind.“ Dies stellte LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch anlässlich der Vorlage der jüngsten Ausgabe der LVI-Standpunkte fest, um dann hinzuzufügen: „Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Industrie vor Herausforderungen steht, für die sie viel Kraft aufbringen muss. Dazu bedarf es geeigneter politischer Rahmenbedingungen.“ Insgesamt, so der LVI-Präsident, habe sich die zweite Jahreshälfte verhalten positiv gezeigt, was sich auch in den Stimmungsindikatoren widerspiegle; die Risiken seien indes weiterhin vielfältig, und es gelte, sich der anhaltenden Investitionszurückhaltung der deutschen Industrie anzunehmen. „Die Politik“, so Dr. Koch, „muss mit marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einem industriefreundlicheren Klima gegensteuern.“

 „Im europäischen Vergleich“, so der LVI-Präsident weiter, „steht Deutschland immer noch gut da. Gerade die baden-württembergische Industrie arbeitet nach wie vor erfolgreich und die wirtschaftliche Lage ist solide.“ Dennoch dürfe man sich nicht von der aktuell besseren Stimmung blenden und die Risiken außer Acht lassen. So mangle es der Weltwirtschaft weiterhin an Dynamik – der Euroraum stelle hier keine Ausnahme dar – und die Schwellenländer blieben volatil oder gar fragil. Als Treiber der Weltwirtschaft könne man auch weiterhin fast ausschließlich auf die USA und China setzen. Abzuwarten bleibe zudem, wie sich der sinkende Ölpreis auf die Konjunktur auswirke.

Zu den konjunkturellen Aussichten unterstrich Dr. Koch, dass der LVI, der die euphorischen Konjunkturprognosen in der ersten Jahreshälfte nicht geteilt hatte, seine moderate Prognose aufrechterhalte. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich das BIP-Wachstum im laufenden Jahr für den Bund bei rund 1,6 Prozent bewegen wird. Baden-Württemberg dürfte etwas darüber liegen – wir erwarten daher ein Wachstum von rund 1,8 Prozent“, erklärte der LVI-Präsident.

Wiewohl sich die baden-württembergische Industrie also auf festem Boden befinde, gelte es, einige Grundlagen für die Entwicklung der nächsten Jahre zu legen und zu festigen, um Baden-Württemberg als nach vorne gerichteten Produktionsstandort zu bewahren. „Nach wie vor ist unser Land das Industrieland Nr. 1 in Europa mit kompletten Wertschöpfungsketten und einer starken mittelständischen Struktur. Die Industrie prägt das gesamte Land – von den städtischen Zentren bis in die entferntesten ländlichen Winkel“, unterstrich Dr. Koch. Damit das so bleiben könne, bedürfe es einer weiterhin innovativen Industrie, die sich den Herausforderungen wirtschaftlicher Veränderungsprozesse stellt.

„Die Produktion in Baden-Württemberg bleibt dann attraktiv“, so der LVI-Präsident in seinen Ausführungen, „wenn der gesetzte Rahmen die Bewältigung vielfältiger Herausforderungen zulässt“. Als zentrale Aufgaben nannte er die Digitalisierung, die Weiterentwicklung der Antriebstechnologien, die Energiewende und den Global Footprint, also die weltweite Optimierung der Wertschöpfungsketten der Industrie.

Die Digitalisierung durchdringe zunehmend sowohl die Prozesse und Wertschöpfungsketten der Industrie als auch ihre Produkte und Dienstleistungen. Die hiesige Industrie wirke gerne schon im ureigensten Interesse daran mit, „dass Baden-Württemberg bei der Digitalisierung eine Führungsrolle übernimmt.“ Dazu bedürfe es aber einer weiter verbesserten Infrastruktur, z.B. schnelles Internet und Rechtssicherheit, und der hinreichenden Ausbildung qualifizierter Fachkräfte. Zudem sei es wichtig, Software- und IT-Start-ups durch günstige Finanzierungsbedingungen und eine Kultur des Risikokapitals zu fördern.

Eine weitere wesentliche Herausforderung, so der LVI-Präsident, hänge eng mit der Digitalisierung zusammen: „Die Produktion ist immer weniger auf bestimmte funktionierende Standorte fixiert – die Standortbindung nimmt ab. Deshalb kommt flexiblen Arbeitsbedingungen eine immer größere Bedeutung zu.“ Zudem dürfe die Energiewende nicht zu einer weiteren Verschlechterung der Planungssicherheit führen.

„Insgesamt bedarf es Rahmenbedingungen, die Investitionen in hiesige Produktionsstätten begünstigen. Investitionen hängen aber ganz eng mit Erwartungen zusammen – den Zukunftserwartungen der Unternehmer“, sagte Dr. Koch ab-schließend. Nähere Informationen enthalten die LVI-Standpunkte 4/2014.