Pressemitteilung, 13.11.2014

Industrie verknüpft Standortsicherung mit Rahmenbedingungen

LVI: Investitionen erfordern Verlässlichkeit


Stuttgart, 13.11.2014 Auf der Mitgliederversammlung des Landesverbands der Baden-Württembergischen Industrie e.V. (LVI) am 13. November im Stuttgarter Porsche-Museum gab Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch einen Einblick in die großen Herausforderungen für den Produktionsstandort Baden-Württemberg: Digitalisierung, Klimaschutz, Energiewende sowie Globalisierung und Flexibilisierung. Ministerpräsident Winfried Kretschmann unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung der Digitalisierung für den Standort, Hausherr Matthias Müller legte Wert auf die industrielle Wertschöpfung im Land.

„Wie der Großteil der baden-württembergischen Wirtschaft bin auch ich der festen Überzeugung, dass die voranschreitende Digitalisierung wichtige binnenwirtschaftliche Impulse liefern kann“, betonte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Rede anlässlich des Tages der baden-württembergischen Industrie. „In der produzierenden Wirtschaft kommt dabei der ,Industrie 4.0‘ eine herausragende Rolle zu. Eine erfolgreiche Verknüpfung von analoger Industrie mit digitaler Informationstechnologie bietet uns große Chancen. Hier von einer weite-ren industriellen Revolution zu sprechen, halte ich keinesfalls für übertrieben. Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen bei dieser industriellen Revolution gleichermaßen von Anfang an Vorreiter sein und diese mitgestalten.“

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, begrüßte die Initiative von Ministerpräsident Kretschmann zu Industrie 4.0. „Das ist für mich zukunftsorientierte Industriepolitik“, betonte er. Zugleich forderte der Porsche-Chef noch mehr Engagement in der Bildungspolitik: Hoch qualifizierte Mitarbeiter mit umfas-senden Kenntnissen in Naturwissenschaft, Technik und Informationstechnologie seien für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft entscheidend.

Kritisch setzte sich Müller mit der Klima- und Energiepolitik auseinander: „Ehrgeizige Zielsetzungen beim Klimaschutz sind notwendig. Aber sie müssen wettbewerbsneutral bleiben und sich realistisch an den Innovationszyklen der Industrie orientieren.“ Der Porsche-Chef warnte eindringlich vor stark überhöhten Energiepreisen: „Jede weitere Schwächung der industriellen Wertschöpfungsketten führt schleichend aber unaufhaltsam in die De-Industrialisierung“.



Koch: „Industrie soll das Land weiterhin prägen!“

Auch LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch betonte die Bedeutung der Industrie für den Standort: „Baden-Württemberg ist das Industrieland Nr. 1 mit kompletten Wertschöpfungsketten und einer starken mittelständischen Struktur. Die Industrie prägt das Land – in unser aller Interesse sollte das so bleiben.“ In seinen Ausführungen beleuchtete er einige der großen Herausforderungen, denen sich die Industrie, aber auch Politik und Gesellschaft stellen müssen:

• Die Digitalisierung, die zunehmend Prozesse und Wertschöpfungsketten, Produkte und Dienstleistungen der Industrie durchdringt.

• Die weitere Verschärfung der Klimaschutzauflagen, die nicht zuletzt im Bereich der Antriebstechnologien immer neue Aufgaben stellt. • Die Energiewende, die derzeit die Politik und auf Sicht auch die Unternehmen zu überfordern droht.

• Die fortschreitende Verteilung der Wertschöpfungskette auf die jeweils besten Standorte weltweit, den sogenannten „Global Footprint“.

• Der zunehmende Flexibilitätsanspruch der neuen Arbeitswelt bezüglich Organisation, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeit.

„Für die Bewältigung dieser Herausforderungen brauchen wir Spielräume und die nötige ‚Luft zum Atmen‘“, so Koch weiter. Zudem seien Investitionen in die Produktionsstätten in Baden-Württemberg abhängig „von gesellschaftlicher Akzeptanz, Technologieoffenheit und Verständnis für marktwirtschaftliche Lösungen in neuen Geschäftsfeldern. Und nicht zuletzt brauchen wir Infrastrukturen, die mit der Entwicklung der Wirtschaft Schritt halten.“

Auch vor diesem Hintergrund begrüße die Industrie die jüngsten Signale des Ministerpräsidenten hin zu größerer Wirtschaftsfreundlichkeit, neben den bereits angesprochenen Anstrengungen der Landesregierung beim Thema Digitalisierung. Der LVI werde diese Bemühungen weiterhin intensiv begleiten.