Energietag BW 2014

LVI-Energietag Baden-Württemberg 2014

Unter dem Motto „ZUKUNFT braucht ENERGIE, sicher, effizient, wirtschaftlich“ führte der LVI am 28. März gemeinsam mit dem Großabnehmerverband Energie Baden-Württemberg (GAV) und dem Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW) bei der Ernst & Young GmbH in Stuttgart-Weilimdorf seinen diesjährigen Energietag durch. Dabei wurden die aktuellen Entwicklungen bei der Energiewende sowie den Rohstoffmärkten und die damit zusammenhängenden Fragen und Herausforderungen kritisch beleuchtet und aus Landes-, Bundes und europäischer Sicht von hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erörtert.

LVI-Präsident Dr. Hans-Eberhard Koch machte deutlich, dass die Zukunft der Industriestandortes Baden-Württemberg/Deutschland vom Gelingen der Energiewende abhänge. Diese dürfe nicht zu weiteren Belastungen der Unternehmungen führen. Nicht zuletzt angesichts der hohen Energiekosten, die insbesondere für energieintensive Industrien zu großen Problemen führen, dürfe die Energiewende nicht zu einer schleichenden De-Industrialisierung führen und müsse marktwirtschaftlich realisiert werden. Dabei gelte es auch, Verträge und Eigentumsrechte nicht außer Kraft zu setzen. Alles in allem seien Augenmaß und ein gesellschaftlicher Konsens gefordert. Intensiv ging Dr. Koch in seinem Vortrag auf die mit der Energiewende verbundene notwendige und marktkonforme Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ebenso ein wie auf den bisher viel zu schleppend stattfindenden Ausbau der Transport- und Verteilnetze sowie die Entwicklung von Speichertechnologien. Er forderte ein Konzept, das realistische Zielvorgaben enthält, die erneuerbaren Energien in den Wettbewerb entlässt, auf europäischer abgestimmt wird und Technologieneutralität wahrt. Auch müssten Einzelinteressen der Bundesländer dem Gesamtwohl untergeordnet werden.

Der Co-Vorsitzende des LVI-Arbeitsausschusses Energie und Umwelt, Rolf Herrmann, zeigte in seinem Vortrag ebenfalls die mit der Energiewende verbundenen vielfältigen Konsequenzen (u. a. bzgl. Investitionsbedarf, Preisentwicklung, Akzeptanzfragen, etc.) auf.

Die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Hildegard Müller, setzte ihren Schwerpunkt angesichts der weiter zunehmenden staatlichen Eingriffe in den Strommarkt auf die Notwendigkeit nachhaltiger und marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen sowie eines koordinierten Vorgehens von Bund und Ländern beim EEG und der Versorgungssicherheit ein. Zudem müsse die Energiewende über „europataugliche Lösungen“ erreicht werden. Neben dem Strom- müsse auch der Wärmemarkt berücksichtigt werden. Der für die Energiewende erforderliche Ausbau der Infrastruktur könne nur über die dafür notwendige Investitions- und Planungssicherheit erfolgen. Dies könne nur im Dialog vorangebracht werden.

Im Rahmen einer Videobotschaft verdeutlichte EU-Kommissar Günther H. Oettinger, dass das Motto „Zukunft braucht Energie“ auch das Energiedenken und –handeln der Europäischen Kommission präge. Dabei ging er auf die Energiestrategie 2030 der EU ebenso ein wie auf den Energiefahrplan 2050. Die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Strategie der EU orientiere sich an einer wettbewerbsfähigen und CO2-ärmeren Wirtschaft. Zugleich zeigte er auf, dass die Umsetzung der Energiewende im europäischen Kontext erfolgen müsse. Nur durch eine engere Abstimmung könnten potenzielle Vorteile ausgeschöpft werden. Im Fokus müssten zunächst der Ausbau der Infrastruktur und von Speichertechnologien stehen.

Dr. Sören Buttkereit, Abteilungsleiter Regulierung im Energy Sector der Siemens AG, zeigte unter der Überschrift „Lösungen für die Energiewende in Deutschland und Europa“ die Situation im Zusammenspiel nationaler und internationaler Netze und den damit verbundenen notwendigen Rahmenbedingungen auf. Er sprach sich für ein einheitliches Marktdesign als Ziel aus, da Eingriffe in bestimmte Bereiche der Energiewirtschaft immer auch an anderen Stellen Folgen hervorrufen – national wie international.

Dr. Helmut Edelmann, Mitglied Kompetenzcenter „Energie“ der Ernst & Young GmbH, stellte den Deutschen Energiewende Index vor. Dieser spiegelt die aktuelle Situation bei der Umsetzung der Energiewende anhand von eindeutig messbaren Indikatoren auf. Dabei sei die nachlassende Akzeptanz der Energiewende ebenso erkennbar, wie die Notwendigkeit, das energiepolitische Zieldreieck von Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz wieder stärker ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Chancen und Risiken bei der Energiewende wurden von Dr.-Ing. Stefan Hartung, Geschäftsführer bei der Robert Bosch GmbH, und Dipl.-Ing. Wilfried Köplin, Leiter Konzernenergiepolitik der BAYER AG aufgezeigt. Dr. Hartung betonte, dass das künftige Energiesystem dezentral, intelligent und effizient sein wird. Er setzte auf eine langfristige Strategie zur Effizienzsteigerung in Industrie und Gebäuden sowie auf ein stärker dezentrales und intelligentes Energiesystem, in dem die Marktregeln schrittweise aber langfristig verlässlich angepasst werden. Wilfried Köplin illustrierte zum einen, wie die chemische Industrie mit ihren innovativen Produkten zum Gelingen der Energiewende beiträgt und nutzte gleichzeitig die Gelegenheit, auf die notwendigen Rahmenbedingungen, insbesondere für die energieintensiven Industrien einzugehen.

Minister Franz Untersteller erläuterte die Konzepte des Landes zu einer zukunftsorientierten Energie- und Rohstoffpolitik. Die Energiewende sei mit enormen Herausforderungen verbunden, da sie quasi im „laufenden Betrieb“ umgesetzt werde. Allerdings sah er neben den Herausforderungen zahlreiche Chancen, gerade für die Industrie in Baden-Württemberg.

Die Einhaltung des energiepolitischen Zieldreiecks betrachtete er als unabdingbar. Mit Blick auf die EEG-Umlage betonte der Minister, dass es weiterhin Befreiungen für Unternehmen im internationalen Wettbewerb geben soll; gleichzeitig müsse das Umlagevolumen insgesamt besser als bisher verteilt werden, wobei auch die Industrie ihren Anteil tragen müsse. Im Weiteren erläuterte er die Notwendigkeit, die Stromnetze in Deutschland auszubauen und die Vorstellungen Baden-Württembergs für einen neuen Kapazitätsmarkt bei Strom. Die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes werde nunmehr zügig – auch mit Blick auf das EU-Beihilfeverfahren zum EEG – weiter angegangen. Einen besonderen Schwerpunkt setzte Franz Untersteller auf die Versorgungssicherheit, da nicht nur die Kernkraftwerke Schritt für Schritt weiter abgeschaltet, sondern weitere konventionelle Kraftwerke (altersbedingt, etc.) vom Netz genommen werden müssten. Darum seien entsprechende Neuinvestitionen dringend erforderlich.

Kurz umriss er das geplante Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept des Landes zur Umsetzung des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg. In dessen Erarbeitung habe sich die Industrie mit hoher Fachkompetenz ebenso konstruktiv wie kritisch eingebracht. Zusätzlich arbeite das Land an zahlreichen Maßnahmen zur Steigerung der Ressourcen- / Material- sowie Energieeffizienz, in die der LVI und seine Mitglieder ebenfalls eingebunden sind. Als einen Baustein hob er die gemeinsam mit der Wirtschaft vereinbarte Allianz zur Ressourceneffizienz und das damit verbundene Leuchtturmprojekt „100 Unternehmen für Ressourceneffizienz“ hervor.

Als Leiter des Forschungsbereichs „Umwelt- und Ressourcenökonomie, Umweltmanagement des ZWE“ und Vorsitzender der Kommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ stellte Prof. Dr. Andreas Löschel dar, wie die Energiewende in der Gesellschaft ankommt. Die Akzeptanz der Energiewende hänge davon ab, wie ökonomische Belastungen und langfristige Chancen der Energiewende eingeschätzt werden. Für eine erfolgreiche Energiewende gelte es, die Gesamtbelastung im Übergang ebenso im Auge zu behalten wie die Verteilung der Lasten. Die Chancen in Form von Innovationen und einer langfristig gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit müssten deutlich gemacht werden.